Montag, 9. Januar 2017

(Wieder)Gesehen: Hitchcocks "Shadow of A Doubt"

Dieser Film gehört zu denen, die Hitchcock selbst als eines seiner Lieblingswerke bezeichnet.

Vielleicht hat er schon während der Arbeit am Drehbuch geahnt, dass der Film ein Meisterwerk wird und sich deshalb den üblichen Cameoauftritt mit einem grandiosen Bridgekartenblatt (das habe ich mir sagen lassen) veredelt.

Über den Film wurde und wird ja ausführlich geschrieben, Hitchcock selbst spricht im Interview mit Truffaut darüber. Interessant ist, wie er da seine besondere Beziehung zu Thornton Wilder hervorhebt. Man glaubt es kaum, wenn Hitchcock erzählt, dass er zu dieser Zeit in Amerika kaum Stars und anerkannte Drehbuchautoren zu Verfügung hatte, weil man seine Arbeit nicht schätzte. Deshalb sein großes Erstaunen über die Bereitschaft des damals schon berühmten Thornton Wilder mit ihm am Drehbuch zu arbeiten.

Erstaunlich, wenn man diese antiken Thriller sieht, mit welch einfachen Mitteln hier die Spannung aufgebaut und den gesamten Film hindurch auf hohem Level gehalten wird. Ohne Brutalität, ohne Blutspritzerei, eigentlich eine banale Geschichte über Bewohner einer Kleinstadt und trotzdem Spannung pur.

Je besser der Bösewicht, desto besser die Geschichte, sagt Hitchcock.

Und Joseph Cotton ist ein wunderbarer Bösewicht, dessen Fassade nur langsam bröckelt. Erst am Schluss zeigt er seine abgrundtiefe Bösartigkeit und Brutalität - er stößt seine Nichte nicht ansatzlos aus dem Zug, sondern er erklärt ihr, dass er wartet, bis der Zug die seiner Ansicht nach notwendige Geschwindigkeit erreicht hat. Aber - typisch Bösewicht - statt gleich zu töten, redet er und … nein, kein Spoiler!

Theresa Wright, die Gute, ist der andere wunderbar gespielte Charakter des Films. Zuerst gelangweilte Jugendliche, dann überschwänglich und kindlich/ jugendlich verliebt, dann zerrissen davon, die Wahrheit zu sagen oder sie zu verschweigen und am Schluss mit dem Mann, den sie bewundert, um ihr Leben kämpfend.

Es wundert nicht, zu lesen, dass Theresa Wright bis heute die einzige Schauspielerin ist, die für ihre ersten drei Rollen drei Oscarnomminierungen bekam. Und sie war eine Kämpferin, die das Studiosystem Hollywoods kritisierte und danach nur mehr in kleinen Rollen zu sehen war.

Am Ende dieses Films wünscht man ihr, dass sie den Polizisten vielleicht doch nicht heiraten wird.

Und dann gibt es da noch das „komische Paar“: Der Familienvater (Henry Travers) und sein Freund (Hume Cronin). Was sagt man zu diesem Drehbucheinfall, die beiden darüber diskutieren zu lassen, wie man den anderen am effektivsten umbringen könnte? Doppelbödigkeit? Metaebene? - Egal,
einfach komisch und böse!

Also, Hitchcocks "Shadow of A Doubt" unbedingt (wieder)anschauen!