Sonntag, 9. November 2014

The Wounded Brick - Interview mit Sue-Alice Okukubo und Eduard Zorzenoni im franzmagazine_Teil 1

Anlässlich der Vorführung von The Wounded Brick im Filmclub Bozen trafen wir uns mit Kunigunde Weissenegger vom franzmagazine zu einem Interview. Hier sind einige Ausschnitte aus dem interessanten Gespräch:

Euer Film trägt den Titel "The Wounded Brick" – eine etwas ungewöhnliche Wahl für einen "Architekturfilm". Warum dieser Titel? Wie kam es dazu?

 Der Titel hat mehrere Sinn-Ebenen:
„Brick“, also übersetzt „Baustein“ oder „Ziegelstein“, steht für das grundlegende (Bau-)Element eines Hauses und in weiterer Folge einer Siedlung, eines Ort oder einer Stadt.
 „Wounded“, also „verwundet/verletzt“, steht für die menschliche Ebene. Man würde einen Stein mit einem Riss normalerweise ja nicht als „verwundet“ bezeichnen.
Der Titel verweist also auf eine beeinträchtigte Beziehung zwischen den Menschen und ihren (Lebens-)Orten bzw. der Gestaltung derselben.

(...) Als konkretes Beispiel als auch als Metapher kommen Opfer des Erdbebens in den Abruzzen zu Wort. Für diese Menschen ist die Frage nach der Bedeutung und (Neu-)Gestaltung von Lebensorten radikal erfahrbar geworden.
Es war interessant und berührend, wie oft sie von ihren „verwundeten“ Häusern und Städten gesprochen haben.
Auch dieses emotionale Bild/Erfahrung hat uns zu diesem Titel gebracht.

Wir möchten noch anmerken, dass wir keinen ausschließlichen Architekturfilm machen wollten. Wir finden, dass die Thematik des Films praktisch jeden betrifft, und wir würden mit den Erzählungen in The Wounded Brick gerne möglichst viele Menschen erreichen und inspirieren.

Von welcher These seid ihr am Anfang eures Filmprojektes gestartet? – Wie hat sich euer Blick im Laufe der Filmarbeiten verändert?

In den letzten Jahren haben wir im Zuge der Recherchen zu unseren Filmprojekten mit zahlreichen Architekten über Themen und Fragestellungen für Architekturfilme gesprochen. Interessanterweise kam das Gespräch nicht, wie man vielleicht erwarten könnte, auf großartige Bauten, die man filmisch portraitieren könnte, sondern ein Thema, das  immer wieder aufkam, war die Frage der Gestaltung von Lebensräumen für die Menschen.

Deshalb ist „These“ vielleicht nicht das richtige Wort. Wir hatten keine These, wir hatten eine Menge Fragen. Durch die Recherchen kristallisierten sich einige Grundfäden/Verläufe heraus, die schließlich zur Konzeption unseres Filmes führten; Ausgangspunkte, Philosophien, Visionen, ...

Uns wurde auch immer mehr klar, dass wir von dieser großen Vielfalt an kreativen Prozessen erzählen möchten, von der Suche nach dem Unmöglichen im Möglichen - und zwar ungeachtet dessen, ob die Projekte erfolgreich umgesetzt werden konnten.

Besonders unsere Begegnungen mit den Menschen in L’Aquila zeigten uns am Ende, wie wichtig es ist, den Blick vom Globalen der Planungsfragen zum Individuellen zu zoomen, den Menschen mit seinen Bedürfnissen ins Zentrum all dieser Themen zu stellen. Eine Architektin sagte nach dem Film, sie wurde wieder daran erinnert, an die kleinen Dinge zu denken, die einen Lebensort ausmachen. Dieses Denken gehe zu leicht verloren im Laufe der Arbeit, weil man sich doch eher um die großen Strukturen kümmere.


Wer das gesamte Interview gleich lesen möchte, hier ist der Link: franzmagazine: The Wounded Brick